Funeral In Heaven / Plecto Aliquem Capite – Astral Mantras of Dyslexia | 2011 | Dunkelheit Produktionen | Vinyl | Black Metal

Astral Mantras Of Dyslexia ist der Name dieser Vinyl-Split zweier Gruppen aus Sri Lanka. So ungewöhnlich die Herkunft ist, so ungewöhnlich ist zum Teil auch die musikalische Darbietung. Die A-Seite belegt Funeral In Heaven, eine 2003 gegründete Band die aus sechs Musikern besteht. Die B-Seite wird von Plecto Aliquem Capite beansprucht, welche mir mal die 2008er Demo Atrocities geschickt haben. Da diese Demo ziemlich abgefahren war, konnte ich also erahnen was mich mit dieser Split in etwa erwarten würde.

Zunächst aber zu Funeral In Heaven. Deren Musik ist nicht leicht einzuordnen. Das erste der drei Lieder ist eine lange Instrumentalnummer, die volkstümliche Musik aus Sri Lanka wiedergibt. Neben dem bekannten Cello (welches wunderbar gespielt wird) sind auch traditionelle Instrumente wie das Yak Bera und Thabla (Trommelinstrumente) zu hören. Es ist ein wunderschönes und sehr atmosphärisches, ja geradezu spirituelles Lied, das alleine schon zum Kauf der Split ausreicht. Auf diesen wunderbaren Einstieg folgt dann das mit über 12 Minuten nur wenig längere metallische Lied Bandhana. Dieses beginnt langsam, ruhig und mittels leicht melodischer Gitarre. Irgendwann kommt verzerrter Gesang hinzu, während sich an der Instrumentalisierung wenig ändert. Der Rhythmus bleibt langsam und die Harmonien der Saiteninstrumente verändern sich wenig. Man könnte dies als schleppenden Black Metal bezeichnen, der für den einen atmosphärisch, für den nächsten depressiv ist. Wie dem auch sei, düster und melancholisch ist die Atmosphäre in jedem Fall. Auch wenn in dem Lied recht wenig passiert, gefällt mir vor allem das Zusammenspiel von Kreischgesang und den Gitarren sehr gut, die zusammen punktuell sehr hochkarätige Momente haben. Das abschließende Buddhang Saranang – Thapas tribute. ist ziemlich abgefahren und völlig anders als die beiden Stücke zuvor. Wenn ich richtig liege, sind hier wieder die sri-lankischen Trommelinstrumente mit einer sehr rockigen Gitarre zu hören. Dazu auch mal ein ins Mikrophon platziertes Husten oder sonore aber heisere Chorgesänge. Es ist ein merkwürdiges aber liebenswürdiges Lied. Am besten lässt es sich wohl als düsterer sri-lankischer Rock beschreiben, was positiv gemeint ist.

Nach der sehr interessanten A-Seite folgt nun Plecto Aliquem Capite. Deren Demo Atrocities überaus extrem und abgefahren war. Seitdem sind ja einige Jahre vergangen und es gab zwischenzeitlich auch einige weitere Veröffentlichungen von Plecto Aliquem Capite. Ich war also auf die Entwicklung sehr gespannt! Mit Lament beginnt die B-Seite jedenfalls überraschend ruhig. Es ist eine instrumentale Einleitung, die der von Funeral In Heaven atmosphärisch nicht unähnlich ist, und für deutsche Ohren womöglich auch ein wenig exotisch wirkt. Im folgenden Stoned Guru Ramblings wird es dann allerdings extrem und experimentell. Das Schlagwerk und die Gitarre ertönen sehr langsam, schleppend und tragend, während man mit der verzerrten Stimme wilde Effekte macht, sodass die Stimme oft gar nicht mehr als solche zu erkennen ist und nur noch als Geräusch ausgemacht werden kann. Irgendwann nimmt das Schlagwerk an Fahrt auf und wird schneller, und der Gesang, sofern man ihn noch als solchen bezeichnen kann, wird noch extremer: Gegurgel, Gekreische und kranke Geräusche dringen aus den Lautsprechern hervor. Klingt irgendwie nach einer abgefahrenen Mischung aus Noise Grind und Noise Black Metal. Mir gefällt es verdammt gut, auch wenn die meisten jetzt wohl ausschalten würden. Auf dieses überaus verstörende Lied folgt dann Cemetary Of The Deep, welches zwar auch total abgefahren aber nicht ganz so extrem ist, da auch hier wieder mit gequälten Stimmen herum experimentiert wird, das Lied insgesamt aber weniger experimentell ist. Ich glaube, ich habe selten eine so kranke Band wie Plecto Aliquem Capite gehört. Und ich kann auch nicht ansatzweise nachvollziehen, wieso man die Band oft als Depressive Black Metal schimpft. Das was die Jungs da spielen ist Black Noise Grind oder ähnliches. Vielleicht macht es Leute ja depressiv, die sich das anhören und dann daran kaputt gehen, weil sie nicht damit fertig werden. Jedenfalls habe ich selten Krach in solch einer edlen musikalischen Form gehört. Wahrscheinlich werden sich vor allem Noisegrind-Leute hierrüber freuen oder einfach Wesen, die gerne sehr abgefahrene Musik mit viel Krach hören. Beendet wird die Split LP mit dem Titel Crestfallen: Immolating Shakthi, den Funeral In Heaven und Plecto Aliquem Capite gemeinsam eingespielt haben.

Astral Mantras Of Dyslexia ist eine großartige Split LP mit zwei sehr unterschiedlichen Gruppen, die beide absolut überzeugend sind. Vor allem Plecto Aliquem Capite ist sehr verstörend und absolut masseninkompatibel. Man kann diese Musik entweder nur lieben oder hassen, ich bin jedenfalls total von dieser Platte infiziert. Wer sich dennoch unsicher ist, kann auf der Seite von Dunkel Produktionen mal in das gemeinsame Lied Crestfallen reinhören. Die Platte erscheint im Dezember und Vorbestellungen werden bereits angenommen.

10/10
Aceust

FUNERAL IN HEAVEN
01. Transmigrations into eternal submission (of altered consciousness)
02. Bandhana (Gatahaththey kathaa wasthuwa)
03. Buddhang Saranang – Thapas tribute.

PLECTO ALIQUEM CAPITE
04. Lament
05. Stoned guru ramblings
06. Cemetary of the deep
07. FIH / PAC – Crestfallen: Immolating Shakthi

http://www.dunkelheit-produktionen.de/

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