Freitod – Der unsichtbare Begleiter

Freitod - Der unsichtbare Begleiter

Freitod - Der unsichtbare BegleiterMeine Beziehung zu FREITOD beruht ganz offenkundig auf einem folgeschweren Missverständnis. Als sie 2007 die Demo „Hoffnungslos…“ veröffentlichten, haute mich das Duo regelrecht um. Vor allem das Lied „…ein neuer Tag“ hatte es mir angetan, ich konnte das Lied in Endlosschleife hören. Die drei Lieder von „Hoffnungslos…“ waren für mich Depressive Black Metal in Perfektion. Auch die ein Jahr später herausgebrachte Demo „…einst tiefe Wunden…“ wusste zu gefallen, obschon sie die Großartigkeit der ersten Demo nicht wiederholen konnte. Dennoch blieb es Black Metal der Depression mit Rohheit verband.

Dann kam das Jahr 2010 und es folgte mit der Veröffentlichung von „Nebel der Erinnerungen“ das Debütalbum. Meine Vorfreude darauf war enorm und ich fieberte der Scheibe entgegen, nicht zuletzt auch deshalb, weil es die Lieder der beiden Demos enthielt. Ich war ungeheuerlich gespannt darauf zu hören wie sich die Lieder im erneuerten Klanggewand einer besseren und professionelleren Produktion anhören würden. Ihr ahnt es. Ich wurde enttäuscht. Ich hatte etwas ganz anderes erwartet und bekam dann in meinem absoluten FREITOD-Lieblingslied „…ein neuer Tag“ unsäglichen Klargesang vorgesetzt. Welch Affront, ich fühlte mich zutiefst beleidigt! Ganz so schlecht war das Album zwar nicht, muss ich fairerweise zugeben, aber mit dem Verhunzen von „…ein neuer Tag“ waren FREITOD für mich gestorben.

Es sollte zwei weitere Jahre dauern bis ein neues Album geboren wurde. Diesmal trug es den Namen „Regenjahre“, und alles was ich an „Nebel der Erinnerungen“ hasste, trat noch verstärkter und deutlicher zutage. Es wurde melodischer, sanfter und gefühlvoller, der Klargesang setzte sich immer mehr durch und der Black Metal trat den Rückzug an.

Vier weitere Jahre zogen ins Land und seit kurzem gibt es „Der unsichtbare Begleiter“. Mit dem depressiven Black Metal der beiden Demos hat das nichts mehr zu tun. Ist ja auch logisch. Wenn ich mir alle drei Alben vor Auge halte, wird mir immer mehr klar: FREITOD wollten eigentlich nie wirklich rauen und depressiven Black Metal, der auch harsch und aggressiv ist, spielen. Die Demos müssen ein Versehen gewesen sein, und dieser Irrung bin damals aufgesessen. FREITOD mussten mich enttäuschen, es war einfach unumstößlich, es war eine Beziehung die auf falschen Annahmen beruhte und zum Scheitern verdammt war.

Freitod (Band)Jetzt noch ein paar Zeilen zum aktuellen Werk: „Der unsichtbare Begleiter“ hört und fühlt sich wie melancholischer Metal an, dessen häufige Klargesänge und ätherischen Gitarrenlinien, die immer wieder Post Rock und Shoegaze aufgreifen, an KATATONIA erinnern. Aber auch AGRYPNIE sind, was den emotionalen Faktor betrifft, nicht weit weg. Für Fans von FREITOD kann das neue Album wahrscheinlich die bisher beste Veröffentlichung sein, gut gemacht ist es ja, zumal sie gesanglich und spielerisch durchaus einen Schritt voran gemacht haben. Aber ich kann damit nichts anfangen, konnte ich noch nie. Inzwischen weiß ich das und es tut auch nicht mehr so weh. FREITOD sind für mich einfach der falsche Begleiter.

Freitod – Der unsichtbare Begleiter
Vinyl / CD / Digital | Ván Records
2016 | Dark Metal

1. Unter schwarzen Wolken
2. Die falsche Krankheit
3. Der unsichtbare Begleiter
4. Mirta
5. Zerrissen
6. Die Zeit heilt keine Wunden
7. …und am Ende war das Nichts

https://www.facebook.com/Freitod-179797205400707/
http://www.van-records.de/

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