Enthral – Prophecies Of The Dying | 2010 | Frostscald Records | CD | Black Metal

Neben den zahlreichen neuen Veröffentlichungen wühlte der Herr von Frostscald Records mal wieder in der skandinavischen Vergangenheit und fand dort das Debüt von Enthral, einer norwegischen Kapelle, die sich Mitte der 90er dem schwarzen Metall verschrieb. 1997 kam Prophecies of the Dying raus, die Neuauflage wurde 2010 komplett re-mastered und enthält ein Bonuslied. Ein Detail am Rande: Laut Beiheft stammen alle Zeichnungen von G. Bratset, die sonst in der Gitarrenabteilung ihr Unwesen treibt. Für die Musik ist das selbstredend nicht relevant.

Die richtungsweisende Ansage der Plattenfirma lautet, man soll sich eine Mischung aus Satyricon zu Zeiten der Nemesis Divina und Lord Belial zu Zeiten Enter the Moonlight Gate vorstellen und das mit einem morbiden Einschlag ergänzen. Abwegig sind diese Vergleiche nicht, da weiß man schon grob, wo es lang geht. Nemesis Divina gilt sowieso als Klassiker, aber auch Enter the Moonlight Gate bleibt für Prophecies of the Dying unerreicht. Enthral setzten damals auf deutlich längere Lieder, sie überschritten mehrfach die 10 Minuten. Hierbei schleichen sich öfters Passagen ein, bei denen die Spannung etwas flöten geht. Etwas komprimierter hätte Prophecies of the Dying besser gewirkt, so verlaufen sich gute Melodien immer mal im Niemandsland, aber „hätte“ – sie haben es so geschrieben und fertig. Eine Überraschung stellt das Bonusstück Awaiting the Rise of the Forestgod dar, welches nicht mit dem Album aufgenommen wurde. Das hört man, die Gitarren rauschen mehr und die Instrumente kommen nicht ganz so klar durch. Das Lied selbst ist sehr gelungen. Rasende, eisige Gitarren schaffen hier eine gute Atmosphäre. Auf dem regulären Teil des Albums wirken Enthral weniger direkt, bisweilen verschachtelter. Vielleicht entsteht dieser Eindruck auch nur durch die Klangdifferenzen, so oder so bleibt es ein guter Bonus und würdiger Abschluss der Scheibe.

An dieser Stelle kann ich nicht sagen, daß Prophecies of the Dying eine fälschlicherweise unbeachtetes Meisterwerk wäre, dazu reicht es nicht. Es war und ist weitestgehend ein gutes Album, mehr aber meiner Meinung nach nicht. Irgendwas fehlt mir, das mich richtig fesselt und Anreiz genug ist, genau dieses Album wieder und wieder hören zu wollen. Kann man sich zulegen, muss man aber nicht.

7/10
Der Einsiedler

01. Salig er den som lir
02. Prophecies of the dying – Kundalini (Serpent Power)
03. Prophecies of the dying – Part II
04. A divine tragedy
05. Enchanted by the serpent spell
06. Thy passionate despair
07. Awaiting the rise of the forestgod (Bonus)

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