Drudensang – Todgeweiht I

Drudensang - Todgeweiht I

Drudensang - Todgeweiht IIm Frühling konnten mich DRUDENSANG mit der Demo „Prinzipien der Grausamkeit“ regelrecht begeistern. Enthielt jene Demo doch verheißungsvollen Black Metal, der sich vor dem guten alten deutschen Untergrund verneigte. Inzwischen hielt der Herbst Einzug und mit „Todgeweiht I“ gibt es ein Zwischenspiel auf Kassette, ehe es bald zur Veröffentlichung des angekündigten Splitalbums kommt.

DRUDENSANG bleiben ihrer mystischen Linie treu und legten 30 Exemplaren der auf 98 Stück limitierten Kassette eine Postkarte und Räucherware bei, die den passenden Namen Samhain trägt. Man soll die Musik nicht nur hören sondern auch sinnlich wahrnehmen, also riechen, und in dabei tief in die Unterwelt DRUDENSANGS abtauchen. Ein Tropfen Blut im Booklet rundet das Ganze ab.

Nun aber zur Musik: „Todgeweiht I“ ist etwas atmosphärischer als „Prinzipien der Grausamkeit“ ausgefallen, womit ich zunächst ein wenig haderte. Dies liegt vor allem am Synthesizer, der phasenweise begleitend zu hören ist und für das harmonische Gerüst sorgt. Doch nach mehreren Durchläufen empfinde ich den Synthesizer gar nicht mehr als störend. Im Gegenteil. Gemeinsam mit dem ruhigen Gesang und den rauen Riffs sorgt er für eine tragende, schwere, beinahe schon andächtige Atmosphäre, die den Namen „Todgeweiht“ sehr gut wiederspiegelt.

Doch „Todgeweiht I“ ist nicht nur atmosphärischer sondern auch weniger grimmig und roh. Es fehlen diesmal nämlich die rumpelenden und schnellen Parts, was ich zunächst ebenfalls schade fand. Ich vermute jedoch hinter „Todgeweiht I“ ein Konzept, und dazu würde der grimmig schnelle Black Metal einfach nicht passen. Inzwischen gefällt mir „Todgeweiht I“ sogar richtig gut. Wie sagt man doch so schön, gut Ding will Weile haben? Ich musste mich erst auf das Neue einlassen und inzwischen sauge „Todgeweiht I“ förmlich auf. Das Teil wird mit jeder Mal besser.

DRUDENSANG spielen hier geheimnisvollen und atmosphärischen Black Metal der die rohen und dreckigen Pfade des Black Metals jedoch nicht verlässt. Denn DRUDENSANG spielen nach wie vor rohen und traditionellen Black Metal, der den Geist früherer Tage in sich trägt. Mir gefällt die Kombination aus rauem, teils übersteuerndem Gitarrenklang und den dezenten Harmonien, die an den Saiten erzeugt werden, überaus gut. Da wird ein Schlüsselreiz erzeugt, ein Kontrast, der eine fesselnde Spannung aufbaut, die sich aus dem rohen und dreckigen Klang sowie der subtilen Harmonie zusammensetzt.

„Todgeweiht I“ ist anders als „Prinzipien der Grausamkeit“, darauf sollte man vielleicht gefasst sein, doch deshalb ist es nicht schlechter. Beide Kassetten haben ihren eigenen Reiz und Charakter und doch sind sie durch das mystische Antlitz und die tiefe Verwurzelung im deutschen Untergrund miteinander verbunden.

Drudensang – Todgeweiht I
Kassette | Black Metal
2015 | Black Blood Records

1. Todgeweiht I

drudensang@web.de
http://www.blackbloodrecords.de/

Schreibe einen Kommentar