Defying – Nexus Artificial | 2014 | Eigenproduktion | CD / Download | Death / Doom

Obwohl die polnische Gruppe DEFYING bereits seit 2008 existiert, veröffentlichten die Vier erst vor einigen Wochen mit „Nexus Artificial“ ihr Debütalbum. Stilistisch lassen sich DEFYING nicht einfach zuordnen, so könnte man ihre Musik als düsteren Post-Metal beschreiben, der Anleihen von Doom und Death Metal in sich birgt. In diesem Bereich ist seit einigen Jahren viel los und DEFYING machen dabei eine gute Figur.

„Nexus Artificial“ ist ein atmosphärisches und sehr spielbetontes Album. DEFYING zelebrieren vor allem harmonische Arrangements, in denen die zwei Gitarren den Mittelpunkt darstellen. Es gibt unzählige Riffs und Gitarrenmelodien und das eine und andere Soli. DEFYING setzen dabei aber kaum auf brachiale Riffwände, wie es viele andere Vertreter dieser Gattung tun, sondern suchen eher das Leichte und Luftige. Sicherlich gibt es auch kraftvolle und harte Passagen, doch sind diese nicht in der Überzahl. Härter und kraftvoller wird es vor allem während der Textpassagen, wenn der tiefe und kehlige Gesang von Sänger und Gitarrist Piotr Stępiński erklingt. Gemessen an der Länge des Albums sind Gesang und Text allerdings recht selten.

„Nexus Artificial“ ist ein über weite Strecken instrumentales Album, dessen Arrangements abwechslungsreich sind. Trotz der atmosphärischen, melodischen und spielerischen Ausrichtung ist „Nexus Artificial“ ein düsteres und bedrückendes Werk. Die Melodien und Harmonien sind ob der zeitweisen Leichtigkeit latent drückend. Dies gilt vor allem für die Death-Doom-Parts, wo DEFYING richtig schön schwer und melancholisch werden und mich an Gruppen wie OPHIS erinnern.

DEFYING haben mit ihrem Debütalbum ein sehr vielschichtiges Album abgeliefert, welches sehr gut eingespielt und produziert wurde und deshalb einen sehr ausgereiften sowie professionellen Eindruck hinterlässt; spielerisch als auch klanglich. Der Klang ist sehr sauber und druckvoll, dabei aber nicht steril, was vor allem die Akustikgitarre großartig inszeniert. Die Vier verstehen ihr Handwerk, daran besteht kein Zweifel. Für meinen Geschmack hätte es insgesamt allerdings etwas mehr Kraft und Härte geben können. Die vielen melodischen und atmosphärischen Passagen wurden wunderbar gespielt und sind auch stimmig und überzeugend, nur ist dieser sphärische und verträumt wirkende Anteil vielleicht ein klein wenig zu hoch. Gut gefällt mir hingegen wiederrum die musikalische Eigenständigkeit. Es tummeln sich in diesem Becken ja zahllose Gruppen, die sich oft ähneln, dies gilt für DEFYING jedoch nicht. Ihre Interpretation des atmosphärischen und düsteren Post-Metals klingt eigenständig und hat Wiedererkennungswert. Für Freunde dieser Spielart also definitiv zu empfehlen.

01. Démiourgós
02. Newborn Sun
03. Portraits
04. Prayers
05. Mismatch
06. Imitation
07. Ningma
08. Anaesthesia
09. Suppression
10. Ab Originis

http://defying.bandcamp.com/

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