Dark Tribe – Archaic Visions | 2010 | Black Hate | CD | Black Metal

Nach nicht enden wollender Wartezeit ist es nun endlich soweit. Das neue Dark Tribe Album ist da! Sechs Jahre nach dem großartigen und wahnsinnigen Überalbum In Jeraspunta – Die Rückkehr der tollwütigen Bestie gibt es nun Archaic Visions. Da In Jeraspunta damals so sensationell einschlug wie eine Brandbombe war es wohl alles andere als einfach mit dem Folgealbum weiterzumachen, da man leicht Gefahr läuft, sehr viel anders zu klingen, zumal wenn sechs Jahre dazwischen liegen. Dark Tribe ist allerdings das Kunststück gelungen, sich nicht allzu weit von In Jeraspunta zu entfernen aber trotzdem neue Zutaten beizumengen. Archaic Visions ist nicht mehr ganz so verstörend und wüst, da sich einiges in der klanglichen Produktion getan hat, aber auch, weil es immer wieder überraschende melodische Einsprengsel gibt, die es so noch nicht von Dark Tribe gab. Die häufigen wahnsinnigen und hysterischen Hochgeschwindigkeitsangriffe des Vorgängers gibt es zwar noch, allerdings nicht mehr so vordergründig und oft. Archaic Visions ist deshalb allerdings nicht weniger böse und unmenschlich, gerade dann, wenn man Dark Tribe bisher noch nicht kennt, dürfte dieser Black Metal wie ein unkontrolliertes Abschlachten wirken.

Auch wenn Archaic Visions in seiner Gesamtheit weniger laut, harsch und aggressiv als In Jeraspunta ist, so liefern die makabren Riffs in der Kombination mit dem Geschreie, Geknurre und Geröchel dennoch kalten Hass und puren Wahnsinn. Das Lied Denn Wir sind nicht Mensch veranschaulicht dies sehr gut. Das Tempo ist zwar gemäßigt, da mittelschnell und treibend; Doch die grandiosen Riffs, die einerseits eingängig und überschaubar, anderseits aber extrem wirksam und präzise sind, erschaffen in der Kombination mit des Sängers Stimme und dem eindringlichen Schlagwerkspiel eine überaus dichte, nahezu spirituelle oder rituelle Atmosphäre. In When Fear Turns Into Hate und Children of Forgotten Times hingegen ist phasenweise eine sehr vordergründige, melodische Gitarre zu hören, die mich beim ersten Hören überraschte und verblüffte. Denn, wie bereits erwähnt, gab es so etwas in dieser Form bei Dark Tribe bisher noch nicht. Deshalb machte mich diese melodische Gitarre, gerade der längere Part in Children of Forgotten Times, etwas ratlos. Doch je öfter ich ihn höre, umso besser gefällt er mir. Denn trotz aller Melodik und einer gewissen Sanftheit, hat dieser Part etwas sehr ernstes, fast schon endgültiges. Und das passt perfekt zum gesamten Album, das neben aller Härte auch feine, ernste melodische Akzente und Höhepunkte besitzt.

Archaic Visions ist ein morbides Manifest der menschlichen Perversion, welches Dark Tribe exzellent inszeniert und vertont hat. Es ist unglaublich böse und finster ohne auch nur im Ansatz irgendwie künstlich oder übertrieben zu sein. Wie schon In Jeraspunta kann auch Archaic Visions als grandioses Lehrstück dazu dienen, wie kalter und zorniger Black Metal zu klingen hat. Gerade auch, weil Dark Tribe absolut eigenständig klingt und mit keiner anderen Gruppe zu vergleichen ist. Es ist also an der Zeit, dass sich die jungen Gruppen mal an anderen “Vorbildern” orientieren als den altbekannten, unendlich oft nachgeiferten großen Gruppen. Darüber hinaus zeigt Dark Tribe sehr schön, wie man sich mit der Zeit weiterentwickeln kann ohne sich selbst untreu zu werden.

9,5/10
Aceust

01. Forgotten one: Part III
02. When fear turns into hate
03. Children of forgotten times
04. I see the coldness in my eyes
05. Suicide is the light
06. Endless chains
07. Desperation
08. The wrath of our tribe
09. Praying for salvation
10. Die Sauenjagd ihrer Majestät
11. Endless war
12. Denn Wir sind nicht Menschen

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