Cruda Sorte – Nekrolog

Cruda Sorte - Nekrolog

Cruda Sorte - NekrologWenn man noch „Innozenz“ und „Tollwutkult“ in den Ohren hat und an eine Fortsetzung glaubt, der dürfte sich zunächst verwundert die Augen reiben: CRUDA SORTE lieferten mit ihrem jüngsten Werk „Nekrolog“ die bisher komplexeste und vielseitigste Veröffentlichung ab. Das Duo ist seiner Linie, düsteren und kompromisslosen Black Metal zu spielen, aber treu geblieben.

Nach der kurzen atmosphärischen Einleitung geht es mit „Dictatvra“ zunächst ruhig und dunkelatmosphärisch weiter. Zu einem langsamen Rhythmus sind eine aus dem Hintergrund kommende und rufende Klarstimme sowie harmonische und ruhige Gitarrenklänge zu hören. Es ist ein düsterer Auftakt, der auch mit dem Einsetzen der verzerrten Gitarren und Gesänge schwer, bedrückend und langsam bleibt. CRUDA SORTE spielen hier eine melancholische und atmosphärische Karte aus, die Doom und Black Metal vereint. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern „Innozenz“ und „Tollwutkult“ handelt es sich hierbei fast schon um eine Gratwanderung, könnte man meinen. Auf „Innozenz“ gab es zwar auch langsame und atmosphärische Passagen, doch waren diese wesentlich rauer und rumpliger.

Ihr ahnt es natürlich schon. Es bleibt nicht harmonisch und langsam. Nach einiger Zeit wandelt sich das Lied und schnelle Schübe sowie bedingungslose Raserei brechen die zuvor geschaffene Harmonik und dezente Melancholie wunderbar auf. Der eine und andere schnelle Part auf „Nekrolog“ ist wahrlich extrem, was ich fantastisch finde, da CRUDA SORTE mit verschiedenen Elementen und Stilmitteln eine hochgradig differenzierte, dichte und sich ständig verändernde Stimmungslage schaffen.

„Nekrolog“ ist einerseits geprägt durch ausführliche langsame Parts, dunkle Harmonien und betrübte Stimmungen, doch andererseits gibt auch immer wieder schnelle Parts, deren brachiale und direkte Raserei man als einen Ausdruck der totalen Zerstörung und Endgültigkeit verstehen kann. In dem Lied „Necrologia“ haben sich Nathanael und M.v.V. übertroffen. Das Lied ist regelrecht berauschend, so einfühlsam sind die Melodien und harmonischen Parts, selbst ein Synth-Part findet in dem Lied seinen Platz – und er sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre, die wie ein Vermittler zwischen gefühlvoller Inszenierung und spielerischer, zwingender Härte, wirkt. „Nekrolog“ ist aber nicht nur wegen der unterschiedlichen Tempi oder Cruda Sorte - Nekrolog (Tape)Melodien mannigfaltig, auch durch die hohe stimmliche Variation im Gesang von Nathanael wurde ein Regler geschaffen, der zu einem erheblichen Maße an der komplexen Tiefe und Vielschichtigkeit des Albums beiträgt.

„Nekrolog“ ist ein wunderbares Album, welches nicht umsonst Platte des Monats geworden ist. CRUDA SORTE haben aber nicht einfach nur ein komplexes und stimmungsreiches Album abgeliefert, sie verbinden auf grandiose Weise Altes und Neues miteinander. Wohin CRUDA SORTE in Zukunft treiben werden ist noch offen, wie mir Nathanael im Interview erzählte – welches ihr in Kürze an dieser Stelle lesen könnt.

Cruda Sorte – Nekrolog
Kassette | Eternal Rabies Kult
CD | Nihilistische Klangkunst / Narbentage Produktionen
2016 | Black Metal

1. Proloqvivm
2. Dictatvra
3. Necrologia
4. Aevitas

https://crudasorte.bandcamp.com/
http://e-r-kult.de/
http://www.n-kk.de.vu/
http://www.narbentage.de/

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