Angmar – Zurück In Die Unterwelt | 2009 | Ketzer Records | CD | Black Metal

Vielen dürfte Angmar spätestens seit der Split mit Alcest ein Begriff sein. Für mich ist das zweite Album Zurück in die Unterwelt jedoch die erste Berührung mit den Franzosen. Das knapp 69 Minuten währende Album besteht aus einer Mischung, in der sich vor allem atmosphärische Attribute und Rohheit miteinander abwechseln bzw. miteinander verschmelzen. Diese Rohheit resultiert sowohl aus der klanglichen Produktion, die während der schnellen, metallischen Phasen etwas grell und rau ist, als auch aus den schnellen und eingängig eingetrommelten Parts selbst.

Eine Kostprobe davon bekommt man eingangs mit dem langen Titelstück geboten. Dort sind am Anfang unverzerrte Gitarren und leiser Klargesang im Hintergrund zu hören. Diese stimmungsvolle Einleitung geht dann irgendwann über in einen Part, der schnell gespielt wurde und aufgrund des verzerrten Gesanges auch grimmig und kalt wirkt. Danach wechseln sich langsame und schnellere Strecken ab, sodass zu keinem Zeitpunkt irgendein Anflug von Monotonie aufkommen würde. Dies ist ohnehin etwas, dass es auf dem Album überhaupt nicht gibt. Obwohl Zurück in die Unterwelt alles andere als kurz geraten ist, gelingt es Angmar, durchgängig eine dichte Atmosphäre zu spinnen. Nach dem abwechslungsreichen Titellied folgt Stabat mater, in dem die drei Musiker gleich von Anfang an Vollgas geben, grimmig und treibend aufspielen, ohne dabei die dezidierte aber unauffällige Melodik zu vergessen.

Was nun mit Perdition folgt, kann man getrost als episches Werk bezeichnen. Das Lied liegt jenseits der 20-Minuten-Marke und beinhaltet zahlreiche Stimmungsschwankungen. So sind die ersten acht Minuten denn auch von atmosphärischer Beschaulichkeit geprägt, in der die Akustikgitarre federführend ist, aber auch streckenweise metallische Begleitung zerrüttet dieses idyllische Antlitz nicht. Der Wandel vollzieht sich erst, als der Gesang einsetzt und die wäldliche Nachtstimmung von einem eingängig schnell gespieltem Part abrupt abgelöst wird. Und so geht es hin und her. Klare atmosphärische Parts reihen sich an schnelle und rohe Passagen. Selbst Klargesang fehlt nicht. So erinnert mich dieser Endspurt dann auch, der melodisch und roh zugleich ist, ein wenig an „Diadem of 12 Stars“ von Wolves in the Throne Room. Eine interessante Vergleichbarkeit zu einer anderen Gruppe gibt es auch in 13ème rêv, welches am Ende „Mother North“ von Satyricon nicht unähnlich ist.

Zurück in die Unterwelt ist ein interessantes und abwechslungsreiches Album. Hier und da gibt es Ähnlichkeiten zu anderen Gruppen. Und wenn ihr französischen Black Metal à la Belenos oder Aorlhac mögt, könnte Zurück in die Unterwelt für euch genau das Richtige sein. Es gibt Melodik, klare atmosphärische Passagen und auch Rohheit sowie Tempoeinlagen fehlen nicht. Auf Dauer kann mich Angmar hiermit aber trotzdem nicht fesseln. Mit 69 Minuten Spielzeit ist mir das Album einfach entschieden zu lang. Dieser Umstand schmälert zwar nicht die Qualität der Musik, doch trifft das Album nicht vollends meinen Geschmack.

7,5/10
Aceust

Schreibe einen Kommentar