An Autumn For Crippled Children – Everything | 2011 | A Sad Sadness Song | CD | Experimental Black Metal

Everything ist das zweite Album des niederländischen Trios An Autumn For Crippled Children, welches offenbar mit dem Debütalbum Lost letztes Jahr ordentlich abräumen konnte. Für mich ist Everything jedoch die erste Berührung mit der Gruppe und als ich las, dass diese Scheibe für Fans von Lantlôs, Amesoeurs oder Alcest geeignet ist, wollte ich mich gar nicht mehr damit beschäftigen. Nachdem ich mich aber trotzdem an das Wagnis An Autumn For Crippled Children herangepirscht hatte, bin ich letztlich froh darüber, denn Everything ist eine sehr interessante Veröffentlichung die nicht einfach nur Black Metal mit Post-Rock und Shoegaze kombiniert; was ja zumeist unendlich langweilig ist.

Everything ist im Grunde ein experimentelles Werk, in dem es sehr viele melodische Gitarrenläufe, verträumte Harmonien und einen krächzenden oder auch harschen Kreischgesang zu hören gibt. Bis auf den Gesang hat das Album eigentlich nichts mit Black Metal zu tun. Und genau diese Tatsache macht mir das Album sympathisch. Stilistisch lässt sich Everything dennoch kaum einordnen, da die Drei für meine Begriffe einen eigenständigen Weg eingeschlagen haben, der mich in seiner stilübergreifenden sowie aufbrechenden Art an Solefald erinnert. Nicht, weil sich beide Gruppen musikalisch besonders ähnlich wären, sondern, weil Solefald damals vor mittlerweile 14 Jahren mit ihrem Debütalbum ein Stück Musik herausbrachten, was ich bis dahin noch nie zuvor gehört hatte. Ähnlich ergeht es mir nun mit An Autumn For Crippled Children, auch wenn ihre Andersartigkeit natürlich bei weitem nicht so immens ist. Irgendwie hat man heute alles schon mal irgendwo gehört, bei An Autumn For Crippled Children ist es da nicht anders. Gerade die melodischen, locker und leicht gespielten Gitarrenmelodien, die sphärisch und wolkengleich durch den Raum schwirren, kennt man, trotzdem ist dies in der Kombination mit dem harschen Kreischgesang und dem dünn klingenden, teils aber flotten Schlagwerk, eine interessante und eigenwillige Mischung.

Forever Never Fails, das erste Stück des Albums, verkörpert dies sehr gut. Ein treibendes Schlagwerk, melodische Gitarren, Kreischgesang und harmonische Keyboardklänge formen einen traumhaften Klangkörper in den es einzutauchen gilt. Das Spiel zwischen Rohheit, Melodik und sanfter Klarheit gelingt dem Trio sehr gut, was letztlich auch dazu führt, dass Everything ein sehr schönes Album ist. Vor allem die erste Hälfte des Albums ist überaus überzeugend, da hier wunderbare Melodien und überraschende Breaks zu hören sind. Die zweite Hälfte ist dann leider etwas schwächer und langweiliger, aber dennoch nett.

Wer auf experimentelle aber auch düstere und bizarre Klänge mit Melodik und Kreischgesang steht, ist mit Everything bestens beraten. Für mich ist es jedenfalls ein überraschend gutes Album mit schwächelndem Abgang.

7,5/10
Aceust

01. Forever never fails
02. Formlessness
03. Abscence of contrast
04. We all fall
05. Nothing/Everything
06. Her dress as a poem, her death as the night
07. I am the veil
08. Cold spring
09. Rain

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